Die siesta ist für mich ein Segen. Ich habe in Deutschland die Winter gehasst, die Tage an denen man morgens im Dunkeln zur Arbeit geht und abends wieder im Dunkeln nach Hause kommt. Man sieht einfach kein Tageslicht. Hier im Süden sind die Tage im Winter länger, zudem gibt einem die siesta die Gelegenheit, die für mich beste Zeit des Tages zur freien Verfügung zu haben: Schließe ich mittags um 13:30 Uhr mein Geschäft, ist selbst im Winter normalerweise das Wetter gut genug, um mit dem Fahrrad nach Hause in die Pause zu fahren. Im Sommer, das heißt fast sechs Monate im Jahr, kann ich unterwegs knapp zwei Stündchen am Strand Halt machen und mich im Meer austoben. Ich habe eine, auch für spanische Verhältnisse, ungewöhnlich lange siesta-Pause. Im Winter um 17:00 Uhr, im Sommer um 18:00 Uhr öffne ich abends mein Geschäft für 3 Stunden bis 20:00 beziehungsweise 21:00 Uhr. Ich öffne spät am Nachmittag, doch die Erfahrung vergangener Jahre, in denen ich am Abend bereits eine Stunde früher geöffnet hatte, zeigt, dass ich in dieser Zeit nicht viel Umsatz verpasse. In der langen Mittagspause kann ich stressfrei mit dem Fahrrad nach Hause kommen, in Ruhe zu Mittag essen und es bleibt sogar noch eine halbe bis eine Stunde Zeit um ein kleines Nickerchen zu machen. So angenehm läuft es nicht jeden Tag, hin und wieder nutzt man die Mittagspause auch, um Dinge zu erledigen, einzukaufen oder einen Nebenjob auszuführen. Eine so lange Mittagspause kann man sich auch nur einrichten, wenn man selbstständig ist. Der Haken an der Selbstständigkeit ist natürlich, dass Urlaub machen Verdienstausfall bedeutet. Dementsprechend gut sollte das Geschäft also schon laufen. Aber andererseits, wenn man sich das Arbeitsleben gut eingerichtet hat, dort wo andere hinfahren um Urlaub zu machen, was braucht man da noch viel Urlaub? Manch einem mag der Arbeitsschluss um 20:00 Uhr oder 21:00 Uhr spät vorkommen. Aber wenn man bedenkt, dass kaum ein Geschäft vor 10:00 Uhr eröffnet und nur die Bauarbeiter schon um 8:00 Uhr oder früher anfangen, ist es nachvollziehbar, dass auch das Leben nach Feierabend später beginnt. Ein weiterer angenehmer Unterschied zu Deutschland: In manchen kleinen Orten bekommt man noch heute ein Bier und eine tapa für 1,20 €, oft genug muss man auch schon für die tapa extra bezahlen, aber selten mehr als einen Euro, auch das Bier oder der Wein kostet dann nur einen Euro. So kann man es sich hier schon viel eher leisten, eine Kleinigkeit zu essen und etwas dazu zu trinken, oder abends in geselliger Runde einen arbeitsreichen Tag stimmungsvoll ausklingen zu lassen. |


