Zurück in Deutschland kaufte ich mir erst einmal einen Spanischkurs mit Kassetten und Begleitbuch. Dann wurden Kleinanzeigen studiert und das gesamte Ruhrgebiet nach günstigen gebrauchten Werkzeugen und Maschinen durchforstet. Eine eigens zu diesem Zweck angemietete Garage diente als Zwischenlager. Außer Maschinen kaufte ich auch Artikel für Touristen: Rollstühle, Autokindersitze und Gästebetten könnten ebenfalls gefragt sein. Dem Wohnmobil wurden Anhänger und Dachgepäckträger verpasst. Meine Freundin und ich reisten mehrmals mit dem voll beladenen Caravan zur Garage eines Freundes an der Costa Del Sol, wo ich meine Sachen wiederum zwischenlagern konnte. Es gelang uns, mit unseren immer noch geringen Spanischkenntnissen, ein günstiges Ladenlokal im Zentrum der Stadt zu finden. Von der ersten Idee bis zur Anmietung des Ladenlokals waren fast zwei Jahre vergangenen, 1996 war es endlich soweit. Ich schaffte es, dass mich mein Arbeitgeber entließ und gab dann beim Arbeitsamt an, in Spanien Arbeit suchen zu wollen. So konnte ich für drei Monate in Spanien Arbeitslosengeld beziehen. Eine Möglichkeit, die theoretisch zwar existierte, in Spanien aber kaum einem Sachbearbeiter bekannt war. Ich wurde von einem Büro zum nächsten geschickt, bis ich schließlich mit dem Bescheid abgespiesen wurde, in Spanien könne man unmöglich deutsches Arbeitslosengeld beziehen. Zum Glück hatte ich ein Schreiben vom deutschen Arbeitsamt dabei, auf dem auch auf Spanisch erklärt wurde, dass ich im Recht war. Also schickte man mich zum übergeordneten spanischen Arbeitsamt nach Málaga. Dort kannte man zwar die Vorgehensweise in einem solchen Fall, war aber für mich nicht zuständig. Immerhin rief der Sachbearbeiter bei meinem zuständigen Amt an und erklärte den administrativen Ablauf genau. Es war wirklich eine Pionierleistung, mein Geld zu bekommen. Ich erhielt es erst nach Ablauf der drei Monate, aber mit solchen Problemen hatte ich gerechnet und genug Geld mitgenommen. In den drei Monaten schaffte ich die Artikel, welche ich verleihen wollte, aus dem Zwischenlager ins Geschäftslokal und richtete dieses mit vielen Regalen und einer Ladentheke ein. Dann ging ich zurück nach Deutschland, um mich beim Arbeitsamt zurückzumelden. Wenige Tage später war ich bereits wieder in Spanien. Jetzt eröffnete ich das Geschäft, während meine Frau in Deutschland weiter ihren Job ausübte. Schließlich war es ja nicht absehbar, ob unsere Geschäftsbemühungen in Spanien von Erfolg gekrönt sein würden. Zwar hatte ich in Spanien meine Gewerbeanmeldung erledigt und alle Papiere waren in Ordnung; beim Finanzamt aber gab ich als voraussichtlichen Eröffnungstermin einen Zeitpunkt an, der drei Monate hinter der tatsächlichen Eröffnung lag. So konnte ich mir die Ausgaben für den Steuerberater und die Sozialversicherung drei Monate lang sparen. Krankenversichert war ich ja ohnehin in Deutschland. Sollte eine Kontrolle in Spanien kommen, womit ich nicht rechnete und was auch nicht geschah, hätte ich erklärt, dass die Eröffnung sich etwas vorgezogen habe und ich so gut wie auf dem Weg zum Finanzamt sei, um dies zu anzumelden. Während dieser Monate bezog ich nach wie vor mein Arbeitslosengeld aus Deutschland. Ich war sogar dazu bereit, schnell einen Flug zu buchen, falls mich das Arbeitsamt zu einem Vorstellungstermin schicken sollte. Aber auch dieses Problem stellte sich nicht. Wer weiß, wie lange ich noch Geld bezogen hätte, wäre nicht der Freund in Deutschland, der sich um meine Post kümmerte, selber für sechs Wochen verschwunden. Dadurch beantworte ich zwei Briefe nicht, worauf die Zahlungen eingestellt wurden. Ein schlechtes Gewissen, den deutschen Staat betrogen zu haben, hatte ich nicht. Schließlich hatte ich die Beiträge ja jahrelang einbezahlt. Da mit dem Auswandern ohnehin alle meine Ansprüche bezüglich Arbeitslosengeld und –hilfe verfallen würden, bekam ich so wenigstens ein bisschen von meinem Geld zurück. Ein Deutscher der damals schon mehr als 10 Jahren an der Küste als Versicherungsmakler und gestor arbeitete, erklärte mir sämtliche Tricks und Kniffe im Umgang mit den spanischen Behörden und erledigt bis heute die Buchführung. |


