Dieser neue Trend bringt auch einen neuen Auswanderer-Typus hervor.
Es sind heute zunehmend gut ausgebildete und motivierte junge Menschen, die eine berufliche Tätigkeit im EU-Ausland als Anregung, als Chance und Herausforderung begreifen, die sie gerne nutzen und bestehen wollen. Viele erwarten bessere Aufstiegschancen bzw. sicherere oder bessere Lebensbedingungen. Man ist das Sauwetter, die miese Laune am Arbeitsplatz, Mobbing und Stress leid, die in der Heimat an der Tagesordnung sind. Die Chancen auf persönliche Entwicklung werden immer geringer, man will raus, allem den Rücken kehren, neu beginnen: Man ist reif für die Insel.
Einen Traum wahr machenDie Aussichten in Spanien können für manchen aus den verschiedensten Gründen besser sein als in Deutschland. Es gibt eine stärkere Nachfrage nach bestimmten Berufsgruppen. Vieles ist billiger, das Klima angenehmer und das Leben leichter. Der Gedanke ans Auswandern nistet sich normalerweise unbewusst ins Gehirn ein. Die Person freundet sich in der Folge zunehmend mit ihm an und entwickelt so sukzessive den Traum, alles hinter sich zu lassen. Schliesslich endet man in einem beinahe frenetischen Rausch: Sofort alles radikal hinter sich lassen! Dem fiesen Chef eine Postkarte schicken! Sich in einem klimatischen Paradies namens Spanien, das man bestenfalls aus einem kurzen Urlaub kennt, unter angenehmeren Bedingungen ein neues, nicht so hektisches Leben aufbauen! Einen Lebenstraum wahr machen. Man fühlt sich wie Kolumbus, der aufbricht, um Neues zu entdecken und Altbekanntes hinter sich zu lassen. Doch bleiben Sie innerlich ruhig und gelassen wie ein buddhistischer Zen-Mönch. Nehmen Sie sich alle Zeit der Welt, um die zentralen Fragen zu klären. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
Doch plötzlich schleichen sich Zweifel ein. Der Verstand obsiegt und stellt bohrende Fragen: Wie soll das gehen? Bin ich wirklich ‚reif genug‘ für die Insel? Habe ich überhaupt die notwendigen Eigenschaften, um in einem anderen Land der Erde ein neues Leben zu beginnen? Diese Fragen können allesamt eine schlichte Tatsache nicht verdecken: Das globale Dorf wird für immer mehr Menschen Wirklichkeit. Eine zunehmende Anzahl Menschen starten ohne drängende wirtschaftliche Not einen neuen Lebensabschnitt in einem anderen Land.
Spanien rangiert ganz oben in der Gunst der Auswanderer unter den europäischen Ländern. Es ist mutet seltsam an, daß gerade Spanien eines der beliebtesten Emigrationsländer für Deutsche, Schweizer, Österreicher, Engländer und anderer Europäer geworden ist und nicht etwa Italien, Frankreich oder Griechenland. Diese Länder haben ja traditionell viel engere Bindungen zu europäischen Nordländern als das lange Zeit durch eine militärische Diktatur abgeschottete Spanien. Anscheinend vermochten die Vorteile Spaniens – ein ganzjährig angenehmes Klima, Lebenshaltungskosten die insgesamt unter den deutschen liegen, und eine gute Infrastruktur – die historischen Bindungen leicht zu überflügeln. Außerdem übte Spanien schon immer eine geheimnisvolle Faszination auf viele Menschen aus. Es wird wohl die magische Mischung aus Leidenschaftlichkeit, Religiosität und unverhohlenem Stolz sein, die eine unerklärliche Anziehung auf den Rest Europas besitzt.
Schön zu wissen, daß es viel Toleranz und Offenheit seitens der Spanier gegenüber den Immigranten aus dem Norden gibt: Lediglich 24 Prozent der Bevölkerung sind laut einer Umfrage einer spanischen Tageszeitung für Einwanderungsbeschränkungen, das sind fast dreimal weniger als in der Bundesrepublik, die mit 63 Prozent in diesem Punkt europaweiter Spitzenreiter ist.
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