
Frauen in Spanien - Patriarchat
Der Frauenanteil in Spaniens Regierung ist weltweit Spitze - das ist auch nötig!
Für den Wechsel vom armen Agrarstaat zur reichen Industrienation hatten andere europäische Länder über 100 Jahre Zeit, in Spanien ist dies fast dreimal so schnell verlaufen.
Welch ein rasanter Wandel, vor 30 Jahren besaßen Frauen kaum eigene Rechte, durften nicht einmal eigenständig ein Bankkonto eröffnen. Erst vor 20 Jahrenwurde die Möglichkeit der Scheidung eingeführt, bis 1988 durften keine Frauen ins Parlament berufen werden. Der damit einhergehende Wertewechsel in der Gesellschaft ist so blitzartig vorangeschritten, daß er noch nicht alle Bereiche des Lebens erfaßt hat.
Seit der Franco Ära brechen die alten, verkrusteten gesellschaftlichen Strukturen in Spanien immer mehr auf. Aber immer noch ist die Familie für die Spanier weiterhin das höchste Gut, es besteht immer noch die gute alte Familienhierarchie. Die Männer geben in der Familie den Ton an. Hier lebt er noch, der klassische spanische Macho! So hat manche Frau die aus dem Norden her zugewandert in Spanien ihren Traummann nach der Hochzeit nicht mehr wiedererkannt. Aus dem Galan, der seine Angebetete wie eine Prinzessin behandelte, wurde nach und nach der Pascha der sich nur noch bedienen und bemuttern lassen möchte.
In der spanischen Politik wird der Wandel kräftig vorangetrieben. Ausgerechnet der Konservative José María Aznar berief nach seiner Wahl 1996 zur allgemeinen Überraschung vier Frauen ins Kabinett, und der derzeitige spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero hat sein Wahlversprechen genau so viele Frauen wie Männer in die Regierung aufzunehmen, tatsächlich gehalten. Die neue Regierung besteht aus jeweils acht Ministern und acht Ministerinnen. Zum ersten mal in Spaniens Geschichte ist mit der Juristin María Teresa Fernández de la Vega eine Frau die Stellvertreterin des Regierungschefs. Damit ist der Frauenanteil des Kabinetts weltweit Spitze, und das im Land des Machismo !
Allerdings, was in Madrid geschieht oder im Dorf, da liegen mitunter Welten dazwischen. Spanische Frauen haben wirklich unter der Gewalt von Männern zu leiden. Es ist eine traurige Tatsache, dass eine Frau in Spanien im Alter von 16 bis 44 Jahren mehr Angst davor haben muss, durch Aggressivität ihres Lebenspartners zu Tode zu kommen, als durch einem Unfall oder Krankheit. Allererste Todesursache bei Frauen dieser Altersgruppe sind nicht Krankheiten oder Tod durch Unfall, sondern die Gewalt der Machos!
Diesbezüglich läuft jetzt, im Jahr 2007, eine breit angelegte Sensibilisierungskampagne.
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